MMA und Krafttraining trennen?

Welche Bedeutung die Maximalkraft für uns hat, habe ich in einem anderen Artikel bereits angerissen. Stellt sich die Frage, wann ich die Krafteinheiten in mein Gesamttraining einbaue. Im Grunde gibt es zwei Möglichkeiten. Krafttraining nach dem MMA Training oder an gesonderten Tagen. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Beginnen wir mit der Variante, dass Krafttraining an gesonderten Tagen durchzuführen:

 

Ein Gewichtheber würde nie auf die Idee kommen vor seinem Training noch eine Ausdauereinheit oder Kraftausdauereinheit durchzuführen. Er will natürlich seine gesamte Energie in sein Krafttraining stecken, da es sein Ziel ist, möglichst viel Kraft aufzubauen. Dies ist auch der Hauptgrund für ein getrenntes Training. Nach einer harten MMA Einheit fehlt oft die Energie und Lust noch an schwere Gewichte zu gehen. Die Effektivität leidet. Das muss klar gesagt werden. Was allerdings auch gesagt werden muss ist, dass das Krafttraining dennoch einen Effekt hat! Beim Training muss ein überschwelliger Reiz hergestellt werden um eine Anpassung zu erzwingen. Diesen kann ich auch setzen, wenn ich vorher bereits trainiert habe. Es ist also auf keinen Fall so, dass das Krafttraining „nichts bringt“ wenn man es am gleichen Tag ausführt. Aber effektiver ist es an anderen Tagen schon.

 

Kommen wir zum Nachteil an getrennten Tagen: Der Nachteil ist einfach, dass der Organismus keinen Ruhetag bekommt. Es werden beim Krafttraining am nächsten Tag zwar andere Systeme beansprucht als am Tag zuvor beim MMA, aber der Gesamtorganismus, die Systeme, die für die Regeneration benötigt werden und das Zentrale Nervensystem werden dadurch täglich belastet. Dies kann schleichend zu einem Übertraining führen. (Siehe Artikel zur Regeneration)

 

Ein weiterer Nachteil kann sein, dass die Muskeln nach dem Krafttraining noch so müde sind, dass ein MMA Training am nächsten Tag wiederrum leidet, da 24 Stunden Regeneration evtl. nicht ausreichend sind. Müde, schwache Muskeln sorgen dann vielleicht für eine schlechte Technik weil die Feinmotorik fehlt oder dafür, dass man beim Sparring unterliegt, weil die Power fehlt.

 

 

Wenn wir uns jetzt anschauen, welche Vor- und Nachteile es hat, am gleichen Tag zu trainieren, ist wie bereits beschrieben zu sagen, dass die Effektivität leidet! Es kann sogar soweit gehen, dass der Sportler nach hartem Sparring einfach auch mental nicht mehr in der Lage ist, ein Krafttraining durchzuführen. Die Belastung auf das Zentrale Nervensystem ist dann einfach zu hoch. Auch sollte die Cortisolausschüttung nicht außer Acht gelassen werden. Lange harte Einheiten sorgen für ein Ausschütten des Stresshormons, dass negative Auswirkungen haben kann. Dies kann natürlich auch passieren, wenn man die Einheiten voneinander trennt!

Kommen wir zu den Vorteilen. Wie gesagt, entsteht ein Ruhetag, wenn ich beide Einheiten kombiniere. Diesen kann ich tatsächlich nutzen um meinen Organismus herunterzufahren, oder auch um technische, lockere Einheiten im Bereich MMA einzubauen. Ich bin somit flexibler.

 

Ein weiterer wichtiger Vorteil: Im MMA gibt es keine Trennung von Kraft, Ausdauer u.s.w. Als Kämfper muss ich lernen unterschiedliche Kraftarten im Kampf anzuwenden. Und dies, obwohl ich müde und kaputt bin und mein Herz-Kreislauf-System ballert!

 

Beide Einheiten zu kombinieren ist also eine Möglichkeit, genau diesen Anspruch zu erfüllen, wenn es geschickt kombiniert wird. Jeder der es mal ausprobiert hat weiß, dass es ein riesen Unterschied ist, schwere Kniebeugen zu machen, wenn einem die Lunge quasi aus dem Hals hängt. Es ist also wichtig genau die Dinge zu trainieren, die ich im Kampf benötige. Siehe S.A.I.D. Prinzip!

 

Fazit: Lasst euch nicht erzählen, dass die eine oder andere Methode besser oder schlechter ist. Beides hat gravierende Vor- und auch Nachteile. Es kommt wieder auf das Gesamtpaket und in erster Linie auf den Sportler an. Ich persönlich mag es, alles an einem Tag zu „erledigen“, weil ich mir dadurch das Gefühl erkaufe, am nächsten Tag die Pause verdient zu haben. Es gibt aber auch Sportler, die können damit überhaupt nichts anfangen. Den mentalen Ansatz und die psyische Herausforderung, egal bei welchem System, sollte nicht unterschätzt werden.

 

 


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